Heimat, Internes

Blinder Passagier auf der Batavia

Zur See fährt man mit dem Theaterschiff Batavia schon lange nicht mehr, aber einen blinden Passagier der besonderen Art gibt es dort dennoch. Auf dem Dach des Schiffes tummelt er sich. Schon seit gut 25 Jahren. Die Zeit hat ihn (den blinden Passagier) marode gemacht, und nun geht gar nichts mehr. Klingt komisch? Ist es aber gar nicht. Die Lage ist ernst, denn der blinde Passagier ist eine Photovoltaikanlage, mit der Sonnenenergie gespeichert wird, um auf der Batavia die Notstrombeleuchtung zu speisen. Um die Sache wieder ins Laufen zu bringen, wurden die Stadtwerke Wedel Pate. Da passen zwei gut zusammen.

Ich gebe zu, ich war schon ganz schön beeindruckt, dass Hannes Grabau, der Macher des Theaterschiffs, schon vor Jahrzehnten auf Photovoltaik gesetzt hat. Und wie lange die damals installierten Platten gehalten haben. Nun haben sie ihren Dienst getan, sie sind wirklich blind geworden. Zusammen mit den Stadtwerken Wedel plant Hannes Grabau die Erneuerung der Anlage.

Kann das weg oder ist das Kunst? 😉 Hier kommt was Neues hin.

Ich durfte neulich einmal hinter die Kulissen schauen. Auf der Batavia gibt es wirklich viel zu entdecken. Das schnuggelige Theater unter Deck, die Gaststube wo man leckeres Bauernfrühstück (oder andere Sachen) essen kann, und die „rund-ums-Boot-Sitzgelegenheiten“, auf denen man herrlich in die Marsch gucken kann, oder wo man den Tag im Sonnenuntergang beschließen kann.

Aber auch die Technik ist interessant. Es gibt z. B. einen eigenen Wassertank, somit ist die Batavia autark. „Der Tank fasst 1000 Liter, so dass wir drei Tage gut zurecht kommen, auch wenn einmal die Leitung einfrieren sollte“ erzählt Hannes Grabau. Damit aber nichts einfriert, werden Frischwasser- und Abwasserleitung Tag und Nacht mittels Heizschlangen beheizt. „Der Strom kann mittels zwei Generatoren selbst erzeugt werden, wenn es nötig ist. Ein Nacht Jockel mit 10 kW und eine große Maschine mit 30 kW“. In der Regel liefern aber die Stadtwerke Wedel den Strom. Alles wird liebevoll in Stand gehalten und es gibt immer was zu tun.

Hannes verriet mir, dass während der eisigen Winterzeit, alles heil geblieben ist. Allerdings musste durchgehend geheizt werden, und der Ölverbrauch, nunja, ist stattlich.

Wir sprechen uns wieder, wenn die neuen „Platten“ installiert sind und die „Sonnenenergie“ ins Laufen kommt. Dann lacht hoffentlich auch die Sonne mit uns um die Wette, und wir können wieder auf dem Lido Deck sitzen und uns über die schöne Marsch freuen. Erneuerbare Energien in Wedel. Hm, die Lage ist zwar ernst, aber am Ende kann die Sache dann doch auch einfach sein. AHOI.

Malerisch in der Elbmarsch – immer einen Besuch wert

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