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Mein Kollege läuft tatsächlich Marathon

Unglaublich, toll, irre, Wahnsinn. Er macht es schon seit Jahren. Das heißt, es muss ihm wohl Spaß machen. Dass der Kollege schon mal mitgelaufen ist, das wusste ich. Aber, dass er das schon seit Jahrenden tut, das wusste ich nicht. Und ihr bestimmt auch nicht. Ich hab mal nachgefragt. Er, das ist übrigens mein Kollege Cordt-Peter Lattmann, auch Latti genannt. Wenn er nicht läuft, dann ist er bei den Stadtwerken Wedel für die Kunden im Einsatz, im Kundenservice.

Vorher. Ohne Vorbereitung läuft man keinen Marathon

„So, Latti, Du hast es also wieder geschafft. Dazu erst einmal herzlichen Glückwunsch und meine tiefste Hochachtung. Wie schafft man das? Ich bin nach 7 Kilometern immer schon so geschafft, und kann mir überhaupt nicht vorstellen, mehrere Stunden am Stück zu laufen.“

„Das konnte ich mir anfangs auch nicht vorstellen. Irgendwann habe ich mal eine Wette abgeschlossen, das ganze ist aus einer Bierlaune entstanden, und dann gab es kein Zurück mehr. Das war 2003… auch schon wieder ein paar Tage her. Einen Marathon wollte ich aber schon immer mal als Läufer erleben.“

„Wahnsinn. Bist dann jedes Jahr dabei gewesen, seit dem?“

„Nein, 2006 stoppte mich ein Meniskusriss. Ich bin dann 2011 wieder eingestiegen. In diesem Jahr war das mein 9. Marathon.“

Mittendrin. Irgendwann geht es los. Und wie ist das so?

„Das war schon wirklich anstrengend, keine Frage. Ich bin seit 2011 mit der gleichen Truppe zusammen, der Veranstalter heißt heute open-sports-hamburg.de. Wir haben einen Trainer, Uwe Schaare, der auch die A-Lizenz für Fußballer hat. Aber über Fußball sprechen wir heute ja nicht.“

„Nee, genau. Der HSV sollte sich eine Scheibe von Dir abschneiden… aber wie war das denn nun genau?“

„Ich laufe ja eher in der Cappuccino-Gruppe. Bei uns kann jeder mitmachen, und es gibt ganz unterschiedliche Lauftypen. Früher habe auch ich anders trainiert, heute ist da schon echt Struktur drin. Wir machen auch mal lange Trainingsläufe, so 2 bis 3,5 Stunden lang. Sogar Ultraläufe sind dabei, dann wird es völlig verrückt. 50 Kilometer setzen wir dann an. Da laufen wir in Etappen mit Verpflegungsfahrzeug und Wechselklamotten.“

„Das ist ja unglaublich. Was sagt Deine Familie dazu?“

„Die finden das natürlich nicht ganz so witzig, denn das ganze ist logischerweise doch zeitaufwendig. Aber im Sommer wird es weniger, die Vorbereitung startet dann wieder im Herbst.“

Danach. Zwischen Hochgefühl und total kaputt

„Das muss einen doch unheimlich beflügeln, oder?“

„Allerdings. Das ist schon ein Wahnsinnsgefühl, wenn man den Schweinehund überwindet. Unsere Laufengel helfen uns über die Strecke. Die Laufengel kommen von der Epiphanien Kirche, dort nutzen wir auch die Räumlichkeiten für vereinsinterne Veranstaltungen. Das Tolle ist, das alle zusammenhalten und es keinen Neid gibt. Jeder bestimmt selbst wieviel Ehrgeiz im Einsatz ist, und alle wertschätzen sich. Da guckt keiner schief, wenn es mal nicht so läuft. Und jeder hilft jedem, wenn nötig. Bei langen Läufen wird keiner zurück gelassen.“

„Wau, Latti, noch mal Glückwunsch, und weiter so. Und einen erholsamen Sommer. :-)“

„Danke. Mal gucken, was im nächsten Jahr ist.“